Denn alle suchen das Ihre, nicht das, was Jesus Christus ist – Phil.2,21
Wenn es irgendein zentrales Übel unter Christen gibt, dann ist es genau diese Gesinnung: Denn alle suchen das Ihre. Im Speziellen meinte Paulus wohl zusätzlich die Menschen, die im Reich Gottes tätig waren. Und man fragt sich, wie man sich im „Weinberg Gottes“ betätigen kann, und dabei das Seine sucht. Leider geht dies ohne weiteres und ist sogar der Normalfall, denn Jesus Christus wird meistens nur für egoistische Ziele eingespannt.
Durch eine Missionarin entstand ein gesegnetes Werk in Afrika, durch das viele Schwarze zum Glauben an Jesus Christus fanden. Kurz, bevor sie ablebte, ergriff sie eine große Traurigkeit, die die schwarzen Geschwister nicht verstehen konnten. Sie versuchten sie damit zu trösten, wie sie doch das Ergebnis ihrer Bemühungen im Reich Gottes waren. Sie antwortete voller Pein: „Ich habe es aus Liebe zu mir getan und nicht aus Liebe zum HERRN. Es wird mir alles verbrennen!“ (Dass der HERR unsere Werke für seine Zwecke gebraucht, heißt leider noch lange nicht, dass Er mit ihnen einverstanden ist.)
Unsere alte Natur ist durch und durch verdorben, rebellisch, hochmütig, berechnend und v. a. völlig egozentrisch. Letztlich geht es immer um die eigenen Vorteile, die Stillung aller seelisch-körperlichen Bedürfnisse. Unsere Motive, dem HERRN zu dienen, sind fast durchs Band gefärbt, berechnend. Oft stillen wir nur unsere verborgenen Sehnsüchte; kompensieren unsere tiefen Komplexe; profilieren uns auf Kosten anderer; suchen Ehre, Ruhm, Erfolg und vieles mehr. Und wir tun es für Jesus. Genau dieses vermeintlich hoch religiöse Ziel ist wohl im Ansatz eine der schlimmsten Gedanken aller Irrlehren. Wir werden niemals etwas für den HERRN tun können, das im Himmel wieder gefunden wird. Es wird das Feuer der Heiligkeit Gottes vor dem Preisrichterstuhl Christi nicht überstehen (1.Kor.3,11-15; 2.Kor.5,10).
Die wichtigste Erfahrung im Leben eines geistlichen Menschen ist die Entmachtung seines Egos – seines alten Menschen. Und das bedeutet immer Todesschmerzen am Kreuz. Wir müssen die Mitkreuzigung mit Jesus Christus in Seele und Geist real erfahren. Vorher sind wir unbrauchbar für Gottes wahre Ziele mit dem Menschen. Bevor das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bringt es keine Frucht (Joh.12,24). Wenn der Herr Jesus Christus diese Stelle auf sich anwendete, wie viel mehr gilt sie uns. Und weil am Kreuz nur Verbrecher sterben, müssen wir zuerst unsere Verbrechernatur erkennen, sonst ist unser alter Mensch noch zu gut zum Sterben. V. a. müssen wir erkennen, dass wir eigentlich in jeder christlichen Aktivität letztlich nur Jesus Christus für unsere Ziele einspannen. Wir suchen das Unsrige, mitten im aufopfernden Dienst für den HERRN und die Menschen.
Wie heißen denn die Ziele von Jesus Christus? Was ist der tatsächliche Wille Gottes für den Menschen? Jesus sagte einmal: „Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe“ (Joh.4,34). Und viele religiös-christlich aktive Menschen werden einmal den Himmel verschlossen vorfinden, weil sie den Willen des Vaters nicht ausführten (Mt.7,21-23). Was ist der Wille Gottes? Unsere gewaltigen Einsätze und Leistungen für das Reich Gottes, für den HERRN? Der erhabene Wille des Vaters ist, dass wir ganz in Seinen Sohn Jesus Christus hineinkommen – dass Christus in Wahrheit unser Leben ist. Und das ist immer der Weg des Kreuzes, des Todes für unseren alten, durch und durch egozentrischen Menschen. Nur mit gekreuzigte und mit gestorbene Menschen suchen das, was Jesus Christus ist. Der Rest sucht am Ende immer das Seine! Nur Menschen in Christus wirken für die Speise, die nicht vergänglich ist (Joh.6,27).
Und das Geheimnis? Christus in uns, die Hoffnung der Herrlichkeit (Kol.1.27). Dann wirken nicht mehr wir unsere gewaltigen christlichen Werke für den HERRN (also letztlich für uns), sondern der Herr Jesus Christus selber wirkt Seine Werke durch die Kraft des Heiligen Geistes durch uns – oft in aller Schwachheit – und oft sehen wir es gar nicht. Aber in der Ewigkeit werden wir ernten ohne Unterlass! Wenn Christus unser Leben ist, dann ist Er auch unsere Gesinnung (Phil.2,5-11) – dann sind Seine Ziele unsere Ziele. Dann spannen wir Ihn nicht mehr für unsere Ziele ein. So wird Er der Schatz in unserem irdenen Gefäß sein (2.Kor.4,7) und sich durch uns verherrlichen.
Zu diesem Thema wurde bereits zu einem früheren Zeitpunkt ein Audiovortrag aufgezeichnet: Alle suchen das Ihre - und nicht das, was Jesu Christi ist (MP3-Audio)







